Obwohl ich eigentlich Frühaufsteher bin und am Sonntag für das Frühstück verantwortlich, gerade am Palmsonntag mutiere ich zum Langschläfer. Dann ernte ich den verdienten Spott und werde zumindest vormittags Palmesel gerufen. Eigentlich bin ich ja selber schuld. Was musste ich auch, so richtig schulmeisterlich, meiner neuen Partnerin aus deutschen Landen vom alten Tiroler Brauch erzählen? Da hätte die Geschichte vom Palmbesen doch gereicht. Früher war ich sehr stolz, als Bub so einen tollen Palmbesen zur Kirche zu tragen. Geschmückt mit bunten Bändern, sogar kleine Brezeln waren drauf. Und schon damals der typisch männliche Wettbewerb, wer hat den größten? Nur Buben durften ihn tragen. Es war eine der seltenen Gelegenheiten, wo meine Schwester auf mich eifersüchtig war. Ich werde diese Woche meine Spaziergänge draußen in der Natur absolvieren. Natürlich nur die erlaubte Anzahl der Palmzweige pflücken, man muss ja für die Bienen noch was übrig lassen. Schade, dass ich heuer nur einen kleinen Strauß weihen lassen werde, es wäre doch toll, wieder einmal so richtig anzugeben. Was soll`s? Hauptsache, für meine Partnerin bin ich der größte.