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#1

Ein Besuch im nord-irischen Bürgerkrieg

in Gedichte und Geschichten 17.03.2019 13:21
von Silvan | 2.336 Beiträge

Heute, am Saint Patrick's Day, ist es der richtige Tag, diese Geschichte zu beginnen.

Zeit: 1969 - wie im Titel gesagt.
Also der Beginn der irischen "Unruhen" - oder "troubles", wie die Englander sagen.

Ort: Belfast und Dublin - und auch andere irische Städte und Gegenden

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#2

RE: Ein Besuch im nord-irischen Bürgerkrieg

in Gedichte und Geschichten 17.03.2019 13:21
von Silvan | 2.336 Beiträge

Es war im Januar 1969, als ich auf einer Reise per Anhalter quer durch Schottland auch in das Hafenstädtchen Stranraer kam.



Von Stranraer aus fahren die Fähren nach Nordirland, wie ich dort sah.
Und so beschloss ich "on the spur of the moment" - spontan also - einfach da mal mitzufahren.

Als Student kann man so etwas noch leichter tun!

Natürlich war ich auch sehr gespannt auf Irland, nicht nur auf die Schiffsfahrt.

Meine Fähre war etwas klein .... und das Meer war wild!

Ich bin ja schon öfters mit der Fähre von Frankreich oder Belgien aus nach Südengland gefahren, ohne jemals seekrank zu werden.

Dieses mal aber erwischte es mich - zum bisher einzigen Mal im Leben.

Die Irische See ist eben doch wilder als der Englische Kanal.

Übrigens, um einmal vorzugreifen: 1982 fuhr ich dann mit meiner Frau in umgekehrter Richtung, von Irland nach Schottland.

Und ein paar Wochen später las ich dann in der Zeitung, dass genau die Fähre, die wir damals genommen hatten, nun gesunken war! Da wird es einem im Nachhinein noch etwas schaurig!


Zu meiner Seekrankheit: Es war genauso, wie man immer liest: Mir war sterbensschlecht. Doch genau in dem Moment, als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, war diese Krankheit wie weggeblasen. Eine be-eindruckende Spontan-Heilung!

Es war in Larne, wo die Fähre anlegte: Welcome to Larne, County Antrim, Northern Ireland

Und von dort aus fuhr ich dann wieder per Anhalter nach Belfast, der Hauptstadt von Nordirland.

Mitten hinein in den beginnenden Bürgerkrieg ..............

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#3

RE: Ein Besuch im nord-irischen Bürgerkrieg

in Gedichte und Geschichten 17.03.2019 13:23
von Silvan | 2.336 Beiträge

Ich erzähle weiter:

----------------------------

In Belfast nahm ich mir dann ein einfaches Zimmer in einem Guest House.

Belfast war damals eine an der Oberfläche friedliche, fast verschlafene Stadt.

Aber eben nur an der Oberfläche friedlich.

In Nordirland beherrschte eine Zwei-Drittelmehrheit von Protestanten eine Ein-Drittelmehrheit von Katholiken mit recht unfairen Methoden.

Das Wahlrecht war nach Einkommen gestaffelt. Eine Person konnte bis zu 12 Stimmen haben - und es waren fast immer die Protestanten, die in diesen Genuss kamen.

Die Polizei war fast ausschließlich protestantisch. Eine "Religionspolizei", sozusagen.

Die Firmen-Chefs waren fast alle Protestanten. Und sie stellten im Normalfall auch nur Protestanten ein. Katholiken nur dann, wenn sich absolut kein Protestant für diese Arbeit finden ließ.

Gegen diese Ungerechtigkeiten kämpfte eine Bürgerrechstbewegung an, mit damals noch friedlichen Mitteln.

Heldin dieser Bewegung war ein sehr engagierte mutige junge Frau, deren Name sich mir seit damals eingeprägt hat: Bernadette Devlin.


Sie wurde mit Jeanne d' Arc verglichen.

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#4

RE: Ein Besuch im nord-irischen Bürgerkrieg

in Gedichte und Geschichten 19.03.2019 08:26
von Silvan | 2.336 Beiträge

Meinen ersten Eindruck von der Spaltung des Landes bekam ich dadurch, dass ich einfach in das Gästebuch des Guest Houses schaute, in dem ich wohnte - in die Rubrik "Nationalität".

Eine nord-irische Nationalität gab und gibt es ja nicht.
In dieser Rubrik stand entweder: British. Dann war das ein protestantischer Nord-Ire.
Oder: Irish. Dann war das ein katholischer Nord-Ire.


~~~~~~~~~~

An den nächsten Tagen hatte ich dann die Gelegenheit, bei meinen Per-Anhalter-Fahrten qur durchs Land mal mit der einen, mal mit der anderen Seite zu sprechen und ihre Ansichten zu hören.

Drei solche Fahrten sind mir noch besonders in Erinnerung.

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#5

RE: Ein Besuch im nord-irischen Bürgerkrieg

in Gedichte und Geschichten 19.03.2019 08:32
von Uschi | 28.871 Beiträge

na da bin ich denn auch mal gespannt


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#6

RE: Ein Besuch im nord-irischen Bürgerkrieg

in Gedichte und Geschichten 19.03.2019 10:03
von Silvan | 2.336 Beiträge

Dann poste ich jetzt mal alle diese drei Fahrten hintereinander - in einer Reihe.

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#7

RE: Ein Besuch im nord-irischen Bürgerkrieg

in Gedichte und Geschichten 19.03.2019 10:06
von Silvan | 2.336 Beiträge

Fahrt eins:

Hier war es ein Protestant, der mich mitgenommen hatte.

Im Gespräch ging es um das eventuell bevorstehende Eingreifen der Britischen Armee in den Konflikt. Im Januar 1969 war ja damals noch kein einziger britischer Soldat auf nordirischem Boden.

Allgemein wurde erwartet, dass die Britische Armee zum Schutz der katholischen Minderheit vor Übergriffen der protestantischen Mehrheit nach Nordirland käme!

Anfangs war das wohl auch so .... Aber dann wendete sich das Blatt.

Mein protestantischer Gesprächspartner war jedenfalls hell empört über die Ausssicht, dass die Britische Armee ins Land käme. Er vermutete sie voll auf Seiten der Katholiken.

Und für diesen Fall würde er nach Amerika auswandern, sagte er!

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#8

RE: Ein Besuch im nord-irischen Bürgerkrieg

in Gedichte und Geschichten 19.03.2019 10:07
von Silvan | 2.336 Beiträge

Fahrt zwei:

Diesmal war es ein Katholik, der mich mitnahm.

Er war auf der Fahrt zu einem Vorstellungsgespräch für einen eventuellen Job.

Große Chancen rechnete er sich nicht aus, wie er mir sagte.

Denn die Firma war in protestantischem Besitz, und die würden Katholiken nur im äußersten Notfall einstellen.

Ich fragte ihn, wie man in der Firma denn herausfinden würde, ob er Katholik oder Protestant sei.

"Steht das im Ausweis? Oder fragt man Sie da direkt danach?"

Er erklärte mir: "Sie fragen nach der Schule, die man besucht hat."

Ein verständliche Frage, einerseits.

Doch da in Nordirland so gut wie alle Schulen konfessionell getrennt sind, ist daran auch meist zu erkennen, ob man einen Katholiken oder einen Protestanten vor sich hat.

Mal ein erfundenes Beispiel:

Heißt die Schule "Saint Mary", ist sie sicher katholisch.

Heißt sie "King William", ist sie sicher protestantisch.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Ich wünschte meinem Gastgeber am Ende der Fahrt viel Glück.

Er war pessemistisch.

Und ich auch.

Ob er wohl den Job damals bekommen hat?

Ich werde es nie erfahren ......

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#9

RE: Ein Besuch im nord-irischen Bürgerkrieg

in Gedichte und Geschichten 19.03.2019 10:07
von Silvan | 2.336 Beiträge

Fahrt drei:

Ein junger Katholik hatte mich da mitgenommen, der begeistert davon erzählte, wie sich nun da und dort Widerstand gegen die Polizei regte.

Zur Erinnerung: Die Polizei (RUC = Royal Ulster Constabulary) war ja in Nordirland damals fast rein protestanisch - und bei Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten nicht unparteiisch.

Voller Stolz fuhr er mit mir einen Umweg, um mir die Stelle zu zeigen, wo vor kurzem ein Polizeiwagen in Brand gesetzt worden war.

Damals noch eine Sensation! Eine Premiere!

Später dann Alltag .....

Es war in einer ruhigen Kleinstadt, wo er mir dann die Stelle zeigte. Das verbrannte Auto war schon weg, doch ich konnte noch sehen, wie sich geschmolzenes Metall in den Asphalt eingebrannt hatte.

Dieses Bild habe ich noch deutlich vor mir.

Wie ein Symbol für die danach immer stärker werdenden Unruhen .....

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#10

RE: Ein Besuch im nord-irischen Bürgerkrieg

in Gedichte und Geschichten 19.03.2019 12:31
von Uschi | 28.871 Beiträge

hast du keine Angst gehabt
oder war es da noch nicht so schlimm ?


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#11

RE: Ein Besuch im nord-irischen Bürgerkrieg

in Gedichte und Geschichten 19.03.2019 14:38
von Silvan | 2.336 Beiträge

Zitat von Uschi im Beitrag #10

oder war es da noch nicht so schlimm ?


Damals war es noch nicht so schlimm.
Und nein, ich hatte keine Angst - es gab damals auch noch keinen Grund dazu.

Später dann - im Jahre 1979 kam ich dann mal in eine Situation, wo es hätte gefährlich werden können.
Aber ich hatte gar keine Zeit dazu, Angst zu haben.

Im Laufe des Threads werde ich auch noch davon erzählen.

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#12

RE: Ein Besuch im nord-irischen Bürgerkrieg

in Gedichte und Geschichten 19.03.2019 18:23
von Silvan | 2.336 Beiträge

Nun ein kurzer Abstecher nach Süden. Immer noch im Jahre 1969.

Selbstverständlich war ich auch neugierig auf die Republic of Ireland.
Ich fuhr also auch nach Dublin und verbrachte dort ein paar Tage.

Doch da das Thema hier ja "Nordirland" heißt, möchte ich hier nur kurz zwei Dinge nennen, die mir als besonders merkwürdig auffielen:

1. Die vielen Palmen!

2. Die Hakenkreuz-Wäscherei! Das ist kein Witz! In Dublin gab es damals eine "Swastika Laundry", deren Lieferwagen mit einem großen Hakenkreuz-Logo geschmückt durch Dublin fuhren. Mit Nationalsozialismus hatte das aber gar nichts zu tun. Diese Wäschei war gegründet worden zu einer Zeit, als Herr Hitler aka Herr Schicklgruber (wie die Angelsachsen und Iren ja gerne sagen) in der Welt noch völlig unbekannt war. Doch könnt ihr euch vorstellen, wie so etwas auf einen Deutschen wirken muss!

Doch leicht merkwürdig ...
Schnell eine Erklärung dazu - auf englisch:

Zitat
The Swastika Laundry was an Irish business founded in 1912, located on Shelbourne Road, Ballsbridge, a district of Dublin. Its name and logo caused consternation.

The laundry was founded by John W. Brittain (1872–1937) from Manorhamilton, County Leitrim, who was one of the "pioneers of the laundry business in Ireland", having founded the Metropolitan and White Heather Laundries in 1899. He was also the owner of a famous horse called Swastika Rose which was well known "to frequenters of the Royal Dublin's Society's Shows".

The use of the Swastika name was as an ancient Indian symbol of good luck: its name originates from the Sanskrit svastika



https://en.wikipedia.org/wiki/Swastika_Laundry

----------------------------------------------

Doch denke ich gerne zurück an meinen ersten Besuch in Dublin, als diese Stadt eher noch etwas verschlafen und gemütlich wirkte, im Gegensatz zu dem hektischen Dublin von heute.

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#13

RE: Ein Besuch im nord-irischen Bürgerkrieg

in Gedichte und Geschichten 24.03.2019 19:55
von Silvan | 2.336 Beiträge

Nun ein Sprung ins Jahr 1979 .......

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#14

RE: Ein Besuch im nord-irischen Bürgerkrieg

in Gedichte und Geschichten 24.03.2019 19:55
von Silvan | 2.336 Beiträge

Nun ein Sprung ins Jahr 1979.

Diesmal ging ich den umgekehrten Weg. Ich verbrachte zwei sehr schöne Wochen in Dublin und Umgebung, bei einer Wanderung in den Wicklow Mountains, und einer Anhalter-Reise in den Süden und Westen der Insel.

Und dann fuhr ich noch per Eisenbahn nach Belfast. Dort traf ich einen ganz andere Stadt an als 1969.

Jetzt konnte man dort wohl schon von Bürgerkrieg sprechen, obwohl im englischen Sprachgebrauch etwas verharmlosend immer nur von den "troubles" die Rede ist. Ein kleines Understatement, meine ich.

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#15

RE: Ein Besuch im nord-irischen Bürgerkrieg

in Gedichte und Geschichten 24.03.2019 19:56
von Silvan | 2.336 Beiträge

Das hatte sich verändert:

Die Innenstadt von Belfast war hermetisch abgeriegelt durch einen Metallgitterzaun.

Mal etwas off topic: So liest man es doch immer, dass die Polizei irgendetwas "hermetisch" abgeriegelt habe. Kein Mensch weiß, was "hermetisch" eigentlich ist - aber jedenfalls riegelt man halt mal so ab, nicht wahr?!

Dieser Metallgitterzaun erschien mir wie die Wieder-Erfindung einer mittelalterlichen Stadtmauer - nur war er nicht so dekorativ.

Auch "Stadttore" gab es wieder.

Dort wurde jeder kontrolliert, so etwa wie man kurz nach dem 11. September beim Besteigen der Flugzeuge kontolliert wurde.

Es gab zwei getrennte Menschenschlangen vor jedem dieser Stadttore, denn Männer und Frauen wurden getrennt untersucht und durchsucht.

Guten Gewissens konnte ich mich untersuchen lassen, denn ich führte ja weder Waffen noch Munition mit mir, nur eine Camera - und die Waffen des Geistes, wie ich bei meiner DDR-Reise schon mal anmerkte.

Mit der Untersuchung am Stadttor aber ware es nicht getan.

Bei jedem Betreten eines Geschäftes oder Kaufhauses wurde man wieder neu untersucht .... ob man vielleicht eine Bombe in seiner Einkaufstasche hatte ... oder so ....

Es erinnerte mich etwas an die kleinen Hinweisschilder am deutschen Metzgereien, die da sagen, dass Hunde draußen bleiben sollen. Vor meinem geistigen Auge entsteht gerade ein freundliches Schild, auf dem man zwei Bewaffnete sieht - mit der freundlichen Unterzeile: "Wir müssen leider draußen bleiben!"

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#16

RE: Ein Besuch im nord-irischen Bürgerkrieg

in Gedichte und Geschichten 24.03.2019 19:56
von Silvan | 2.336 Beiträge

Alle öffentlichen Gebäude und alle Kneipen waren durch Drahtgitternetze geschützt, die in etwa einem Meter Abstand zur Fassade aufgespannt waren.

Als Schutz gegen Bombenwerfer wohl.

Vor öffentlichen Gebäuden gab es zusätzlich noch ein absolutes Halteverbot der besonderern Art. Parkende Autos wurden dort nicht einfach nur abgeschleppt, sondern kurzerhand in die Luft gesprengt, wie ein eigenes Verkehrszeichen verkündete.

Da überlegt man es sich dann schon, ob man nicht doch lieber 100 m weiter einen Parkplatz sucht!

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#17

RE: Ein Besuch im nord-irischen Bürgerkrieg

in Gedichte und Geschichten 24.03.2019 19:57
von Silvan | 2.336 Beiträge

Was ich nun noch erzählen werde, das ist mein "Spaziergang" von der katholischen Falls Road in die protestantische Shankhill Road.

Von der einen Welt in eine andere.

Mit einem Niemandsland dazwischen.

...............................




In der Falls Road war klar erkennbar, dass ich im katholischen Viertel war:
Die Hauswände waren voller Grafitti mit Slogans, die die IRA feierten, und überall war die grün-weiß-orange Farbe der Irischen Republik zu sehen.

Vor den Gasthäusern überall die gleichen Drahtverhaue wie vor Behörden, zum Schutz vor Bombenwerfern.

Ich machte mich also auf den Weg in Richtung Shankhill Road und Protestanten.

Bald merkte ich, dass die Straßen leerer wurden, und schließlich war ich ganz allein.

Kein Mensch war mehr auf der Straße.

Die Häuser waren unbewohnt, zum Teil sogar mit zugemauerten Fenstern.

Dann war da auf einmal Leben:

Ich kam an einer Polizeistation der RUC (Royal Ulster Constabulary) vorbei.

Sie wirkte wie eine mittelalterliche Festung, von einem unsichtbaren Feind belagert.

Ein gepanzertes Fahrzeug war gerade dabei, durch das Tor zu fahren. Dazu musste ein schweres Metalltor zur Seite geschoben werden.

Polizisten der RUC in ihren schwarzen Uniformen und mit Maschinenpistolen bewaffnet standen als Wache dabei.

Sie wirkten merkwürdig dick in ihren schuss-sicheren Westen, und sie schauten etwas unsicher in die Gegend. Für ein paar Augenblicke waren sie ja nun lebende Zielscheiben.

Ich ging weiter durch die völlig verlassene Gegend.

Es erinnerte mich etwas an einen Gang von einem Teil Berlins in den anderen - nur dass die Mauer unsichtbar war, die hier die Stadtviertel trennte.


Und dann begegnete ich einer Streife der Britischen Armee.

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#18

RE: Ein Besuch im nord-irischen Bürgerkrieg

in Gedichte und Geschichten 24.03.2019 19:58
von Silvan | 2.336 Beiträge

Das war so:

In dieser gottverlassenen und menschenleeren Gegend erschienen plötzlich wie aus dem Nichts einige britische Soldaten zwischen zwei Häusern und überquerten direkt vor mir die Straße.

Ihre Maschinenpistolen hatten sie dabei schussbereit nach allen Seiten gerichtet - etwa so wie ein Igel seine Stacheln.

Sie gingen nicht in gerader Linie, sondern in einer Art unregelmäßigem Zick-Zack, mit merkwürdig tänzelnden Schritten.

Mir war klar: Sie wollten den Heckenschützen kein leichtes Ziel bieten.

Mich beachteten sie nicht. Nur ihre Maschinenpistolen zeigten immer mal wieder gegen meinen Bauch - so wie nebenbei.

Kein angenehmes Gefühl.

Ich dachte daran, sie zu fotografieren.

Doch zwei Gedanken hielten mich davon ab.

Erstens erschien es mir etwas unpassend und sensationslustig.

Und dann: Vielleicht wäre mein schneller Griff zur Hüfte, wo meine Kamera hing, vielleicht missverstanden worden? Wer weiß? Und in solchen Fällen wird oft gerne zuerst mal geschossen und unnötige Fragen werden dann erst später gestellt.

Aber ich hatte ohnehin nicht viel Zeit zum Überlegen.

Nachdem die Armee-Streife die Straße überquert hatte, verschwand sie wieder zwischen zwei Häusern - und der Spuk war vorbei.

Keine große Sache eigentlich. Nichts war passiert.

Und dennoch hat mich diese Szene sehr beeindruckt.

Denn: Das waren nun keine Soldaten in Ausgehuniform gewesen, oder auf einer Parade oder im Kasernenhofdienst.

Zum ersten und bisher einzigen Mal im Leben war ich in einem Kriegsgebiet einer kämpfenden Truppe in ihrem Einsatz begegnet.

Möge es dabei bleiben!

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#19

RE: Ein Besuch im nord-irischen Bürgerkrieg

in Gedichte und Geschichten 24.03.2019 19:58
von Silvan | 2.336 Beiträge

Bald nach dieser Begegnung der seltsamen Art mit der Britisch Armee ging mein Spaziergang von einer Welt in die andere auch zu Ende.

Nach einer Weile sah ich von weitem durch leichten Nebel und Nieselregen wieder Flaggen an den Häusern. Nicht die irische Trikolore, sondern den blau-weiß-roten Union Jack Britanniens.

Es waren auch wieder da und dort Leute auf den Straßen zu sehen.

Und die Slogans an den Mauern lauteten nicht mehr "FREE IRELAND!", sondern "F-U-C-K THE POPE!"

Ich war in der Shankill Road angekommen, bei den Protestanten ....

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#20

RE: Ein Besuch im nord-irischen Bürgerkrieg

in Gedichte und Geschichten 25.03.2019 00:59
von Silvan | 2.336 Beiträge

Mein dritter Besuch

Es war im Jahre 1982, dass ich zum dritten Mal Nordirland besucht habe.

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