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#26

RE: Die Straßenbahnen des Grauens

in Gedichte und Geschichten 28.08.2017 06:49
von Uschi | 28.082 Beiträge

oh oh
ich hätte wohl auf die nächste Straßenbahn gewartet

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#27

RE: Die Straßenbahnen des Grauens

in Gedichte und Geschichten 28.08.2017 08:58
von Silvan | 2.013 Beiträge

Ja, daran dachte ich auch.

Aber nach meinem Erlebnis mit dem Bahnhofspenner musste ich vermuten, dass die beiden es mir als Flucht auslegen würden, wenn ich die Straßenbahn verließe.

Und mir womöglich folgen würden - und dann draußen im Dunkeln Händel mit mir anfangen könnten

Da war ich in der hell erleuchteten Straßenbahn dann doch relativ sicherer.


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#28

RE: Die Straßenbahnen des Grauens

in Gedichte und Geschichten 28.08.2017 08:59
von Silvan | 2.013 Beiträge

Es geht weiter ...

~~~~~~


Ich stelle mir gerade einen Filmtitel vor:

"Die Straßenbahn des Grauens."

Welch nette gemütliche Situation:

Um Mitternacht allein in einer Straßenbahn mit zwei angetrunkenen Schlägern, die trotz fortgeschrittenem Alter noch recht kräftig mit ihren Krücken zuzuschlagen vermögen - und auf der Suche nach einem neuen Objekt ihrer Schlagkraft sind!

Da kommt Stimmung auf - wie man so sagt!

Vor meinem geistigen Auge erschien schon diese Schlagzeile im Lokalteil der "Badischen Neuesten Nachrichten":

Rotkreuzkräfte retten ruhigen Reisenden vor robusten rasend-rüstigen Rentnern.

Mit der Frage in der Unterzeile:

Rehabilitation ratsam?



...........................



Doch ging dieser Kelch an mir vorüber.

Mein Dank an die Götter! Bacchus oder Dionysos - wer immer auch an jenem Abend gerade Dienst hatte!

Die Straßenbahn füllte sich so langsam- und die rüstigen Rentner fanden andere Gesprächspartner, an denen sie im Bedarfsfall ihre Krücken ausprobieren konnten!

Die Straßenbahn fuhr los!

Meine Erzählung könnte hier zu Ende sein - wenn ich nicht noch an einer gottverlassenen Haltestelle hätte umsteigen müssen!


zuletzt bearbeitet 28.08.2017 09:00 | nach oben springen

#29

RE: Die Straßenbahnen des Grauens

in Gedichte und Geschichten 13.09.2017 13:38
von Silvan | 2.013 Beiträge

Ich denke, es ist an der Zeit, meine Geschichte mal wieder fortzusetzen.


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#30

RE: Die Straßenbahnen des Grauens

in Gedichte und Geschichten 13.09.2017 13:46
von Silvan | 2.013 Beiträge

Diese Haltestelle des Grauens ist sogar im Internet zu finden.



Es sind da zwei Haltestellen.
Die eine auf einm sehr belebten Platz mit - viel Traffic jeder Art.
Die andere Stelle ist in einem finsteren Niemandsland, wo sich noch nicht mal Fux und Haas "Gut Nacht!" sagen, wenn es Nacht ist!


Und es war Mitternacht, und weder Fux noch Haas zu sehen! Typisch mal wieder! Wenn man sie braucht, sind sie nie da!


Ich stand da ganz alleine rum - oder fast ganz alleine.

Nur ein Mitreisender war da - und er saß. Auf der Bank.
Er sah aus, als hätte er schon lange gesessen.
In einer Justizvollzugsanstalt vielleicht.
Sollte ich mich zu ihm setzen?


Meine innere Stimme sagte: "NEIN! Mach das nicht!"
Dazu muss ich erklären, dass ich gewöhnlich "Du" zu mir sage, denn ich kenne mich ja schon länger.


Mein Mitreisender saß da und sagte gar nix.

Aber sein Outfit war vielsagend.

Es verkündete dezent, dass Deutschland den Deutschen gehören sollte, und Ausländer doch bitte so nett sein mögen, das Land zu verlassen.

Ob ich da als Zeichen meines guten Willens nicht wenigstens diese deutsche Haltestelle hätte verlassen sollen?

Oder - was meint ihr?


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#31

RE: Die Straßenbahnen des Grauens

in Gedichte und Geschichten 24.09.2017 10:33
von Silvan | 2.013 Beiträge

Dazu muss man nun wissen, dass ich fast auf der ganzen Welt für einen Einheimischen gehalten werde - außer in Deutschland.

In Schottland bin ich ein Schotte, in Frankreich ein Franzose, in Spanien ein Spanier, und auch die Moslems in Sibirien haben mich dort in ihrer Moschee für einen der Ihrigen gehalten.

Nicht so in Deutschland!

Da gelte ich meist als Grieche, gerne auch mal als Perser, Afghane, oder auch Saudi-Araber.

Kongolese war ich bisher noch nicht, aber ich arbeite bereits dran!

Das Schönste war, wie ich kurz nach dem Einzug im Vorgarten meines Hauses stand, und eine neue Nachbarin vorbeikam.

Freundlich sagte sie zu mir: "Sie sind aber kein Deutscher, gell?"

Ich ließ das mal offen und frage zurück, was ich denn wohl sei.

Da outet sie mich als einen Rumänen. Zigeuner sagte sie jetzt nicht, dachte es aber vielleicht. Wer weiß?

Sie selber kam übrigens aus der Ukraine ....

...................................

Es war also zu erwarten, dass mein Freund auf der Bank früher oder später auf mich zukommen würde, um mir freundlich, aber bestimmt, anzuraten, ich solle doch bitte dahin verschwinden, wo ich herkäme! Nach Ägypten oder Palästina! Aber gaaaaanz schnell bitte!



----------------------------------------------------------


Dass ich in Deutschland so oft für einen Ausländer gehalten werde, ist ein klein wenig paradox.

Denn: Gibt es jemand, der einheimischer wäre, als ich? Kaum.

Durch meine Ahnenforschung weiß ich, dass alle meine Vorfahren seit dem Dreißigjährigen Krieg - und wohl auch davor - immer nur eines waren: Mittelbadische Winzer.

Warum nur werde ich dann für einen Griechen gehalten?

Ich denke, das geht auf die griechischen Legionäre zurück, die damals zu Caesars Zeiten an den Oberrhein gekommen sind.

Vielleicht waren es aber auch Ägypter? Wer weiß?

Mein mitternächtlicher Ausländerfreund hätte also mit einem gewissen Recht zu mir sagen können: Geh zurück nach Ägypten, woher du gekommen bist!

Und ich hätte dann vielleicht erwidert: Gerne! Können Sie mir sagen, welche Straßenbahn ich da nehmen muss?


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#32

RE: Die Straßenbahnen des Grauens

in Gedichte und Geschichten 17.03.2019 08:58
von Silvan | 2.013 Beiträge

Die Geschichte geht noch weiter.
Ob ich hier mal weiter erzähle?

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#33

RE: Die Straßenbahnen des Grauens

in Gedichte und Geschichten 17.03.2019 09:01
von Uschi | 28.082 Beiträge

na ja ich dachte schon das wars
auch wenn ich nicht immer ein Kommentar dazu schreibe
ich lese es bestimmt


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#34

RE: Die Straßenbahnen des Grauens

in Gedichte und Geschichten 17.03.2019 13:19
von Silvan | 2.013 Beiträge

Gut - ich erzähle nachher hier auch weiter.
Bin gerade dabei, meine Nordirland-Geschichte hier zu eröffnen.
Aber ich kann gut zwei Geschichten gleichzeitig erzählen.

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#35

RE: Die Straßenbahnen des Grauens

in Gedichte und Geschichten 17.03.2019 13:55
von Silvan | 2.013 Beiträge

Während ich da so stand und wartete, ging mir eine ähnliche Situation durch den Kopf.

Diese Geschichte könnte ich vielleicht nennen:

"Die Unterführung des Grauens!"

Es war zu fast mitternächtlicher Stunde, als ich in einem Karlsruher Vorort auf eine Straßenbahn wartete.

Nicht mit einem Ausländerfeind zusammen, sondern mit einer Horde angetrunkener Jugendlicher.

Sie redeten oder besser schrien lautstark miteinander. Offenbar stand eine gepflegte Prügelei kurz vor dem Ausbruch.

Ich hielt Abstand, denn bei solchen Prügeleien kommt es leicht auch zu Nebenschäden bei Unbeteiligten. Oder "collateral damage", wie die amerikanische Bomberflotte es so schön und treffend formuliert.

Die rüstigen Rentner lassen grüßen!

Man schaut in solchen Fällen besser gar nicht so genau hin! Sonst heißt es: "Was kuckstu?"

Und schon hat man eine über dem Schädel! Oder "in der Fresse" , um beim Sprachgebrauch zu bleiben.

Früher hatte das noch mehr Stil. Da hieß es kühl: "Mein Herr! Sie haben mich fixiert! Ich schicke Ihnen meine Sekundanten! Bevorzugen Sie Pistole oder Säbel?"

Dann traf man sich im Morgengrauen am Waldesrand, mit oder ohne Feuer! Das heißt, man feuerte schon! Schoss sich so e bissl tot! Romantisch, irgendwie! *träum*

Die Duelle sind auch nicht mehr das, was sie mal waren!

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#36

RE: Die Straßenbahnen des Grauens

in Gedichte und Geschichten 17.03.2019 13:56
von Silvan | 2.013 Beiträge

Um einem solchen modernen Duell zu entgehen, dachte ich, es sei vieleicht besser, auf der anderen Seite der Gleise zu warten, und dann eben schnell wiederzukommen, wenn die richtige Bahn heranfahren würde.

Und so ging ich die Steintreppen hinunter in den Untergrund.

In die Unterführung des Grauens ......

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#37

RE: Die Straßenbahnen des Grauens

in Gedichte und Geschichten 17.03.2019 14:28
von Silvan | 2.013 Beiträge

Mein erster Besuch dort war relativ kurz.

Ich begegnete dort einem Pärchen des Grauens. Die beiden kamen auf mich zu, und der Mann fragte mich irgend etwas Belangloses. Es war klar, er fragte nur, um irgendeinen Kontakt herzustellen, nach Art der Bahnhofspenner. Meine Antwort, die ebenso belanglos war, nahm er dann zum Anlass, einen Streit vom Zaun zu brechen. Seine Begleiterin schaute ihn dabei anhimmelnd an.

Nun war es zufällig gerade nicht mein streitlustiger Tag. Ich verabschiedete mich also nett und trat einen geordneten Rückzug an, die Steintreppen wieder hinauf. Die streitlustigen Jugendlichen dort schienen mir auf einmal irgendwie sympathisch, sympathischer jedenfalls als dieses streitlustige Pärchen des Grauens.

Die Situation am Bahnsteig hatte sich aber noch nicht entspannt, sondern eskalierte weiter. Die streitlustigen Jugendlichen waren inzwischen noch streitlustiger geworden. Ich hielt mich in sicherer Entfernung von den Randalierern, und sie hielten sich in sicherer Entfernung von mir. Sie hatten ja genug mit sich zu tun, und brauchten im Moment kein weiteres Zielobjekt für ihre Schlägerei. Noch nicht ......


Ich wartete eine Weile, bis ich annehmen konnte, das streitlustige Pärchen in der Unterführung des Grauens habe sich inzwischen verzogen. Zum zweiten Mal also ging ich die Steintreppen hinunter in den Untergrund.

Doch auf dem halben Weg schon hörte ich ein bestimmtes Geräusch, das mich davon abhielt, weiterzugehen.

More later ......

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